25. Aug 2026,

Erwartungen an uns selbst und andere begleiten uns im Alltag. Was steckt hinter unserer Erwartungshaltung und wie finden wir zurück in die eigene Verantwortung?
Erwartungen – an mich und an andere
Heute habe ich Lust, einen neuen Blog zu schreiben. Das Thema Erwartungen beschäftigt mich gerade sehr.
Erwartungen an mich selbst und auch an andere Menschen.
Ihr werdet es bestimmt kennen: Diese Erwartungen, die wir an uns selbst stellen. Dass wir gut genug sind. Dass wir uns anpassen, schnell genug, intelligent genug und schön genug sind. Dass wir freundlich, nett und zuvorkommend sind. Dass wir alles richtig machen.
Oder die Erwartungen an andere.
Dass der oder die etwas tun müsste. Dass sich jemand dementsprechend verhalten sollte. Dass jemand richtig oder so reagieren sollte, wie wir es uns wünschen.
Diese Liste könnte ich ewig weiterschreiben.
Diese Erwartungshaltung an uns selbst oder an andere ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Auch ich selbst stolpere immer wieder darüber und habe mir deshalb Gedanken gemacht:
Warum erwarten wir eigentlich etwas?
Warum legen wir Erwartungen an unsere Mitmenschen? Was steckt da in der Tiefe dahinter?
Die Antwort ist gar nicht so einfach und auch nicht schnell beantwortet.
Bei den Erwartungen an uns selbst ist es für mich etwas einfacher zu verstehen.
Wir wollen gut sein, schön, intelligent, nett, zuvorkommend – um im Leben weiterzukommen, um in der Gesellschaft anerkannt zu sein, um einen guten Job zu bekommen, um viel Geld zu verdienen, um viele Freunde zu haben und noch vieles mehr.
Wir setzen uns Ziele und haben Vorstellungen davon, wie wir sein möchten.
Wir machen Sport, um gesund und fit zu sein. Wir achten auf unser Aussehen, weil wir gesehen werden wollen mit dem, was wir sind. Wir lernen, arbeiten an uns, entwickeln uns weiter.
Solange wir unsere eigenen Erwartungen auch selbst erfüllen können, ist das ja erst einmal kein Problem.
Anders wird es, wenn wir Erwartungen an unsere Kinder, Partner, Familienmitglieder oder Kollegen haben.
Denn dann sollen die anderen etwas erfüllen, was ich selbst nicht habe oder mir vielleicht selbst nicht erfüllen kann.
Ich selbst ertappe mich immer wieder dabei, anderen meine Erwartungen aufzudrücken. Damit ich mich gut fühlen kann. Damit ich weniger Verantwortung habe. Damit andere mehr tun und ich mehr Freizeit habe. Damit sich jemand darum bemüht, etwas zu tun, damit es mir besser geht.
Doch das fühlt sich für mich falsch an.
Denn ich möchte auch für niemanden verantwortlich sein, dass es ihm gut geht.
Ich bin der Meinung, dass niemand in meinem Umfeld schuld ist, wenn es mir gerade schlecht geht. Oder wenn ich mich langweile. Oder wenn ich keine Anerkennung oder Wertschätzung bekomme, obwohl ich sie gerade so dringend bräuchte.
Natürlich wünsche ich mir Wertschätzung. Natürlich wünsche ich mir, dass Menschen mich sehen und dass das, was ich tue, wahrgenommen wird.
Aber ist deshalb ein anderer Mensch dafür verantwortlich?
Viele Menschen in unserer Gesellschaft sind schnell dabei, anderen die Schuld zu geben, wenn etwas nicht so funktioniert, wie sie es gerne hätten. Weil etwas nicht ihren Vorstellungen entspricht.
Dann erwarten sie, dass der andere es so macht, wie sie es möchten – damit es ihnen selbst wieder gut geht.
Und genau da beginnt für mich ein wichtiger Punkt.
Denn in diesem Moment bin ich nicht mehr ganz in meiner eigenen Verantwortung für mein Leben.
Ich kreiere mein Leben selbst. Ich entscheide, wie hoch meine persönliche Messlatte ist, mit der ich mich selbst und andere messe.
Aber ich kann meine Messlatte nicht einfach auf andere anwenden.
Jeder Mensch hat seine eigenen Prioritäten. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Bedürfnisse, seine eigene Vorstellung davon, was wichtig und richtig ist.
Wenn ich also die Erwartung habe, dass mein Partner etwas nicht gut genug macht, weil es nicht meinen persönlichen Erwartungen entspricht – was ist dann die richtige Entscheidung?
Vielleicht ist die Frage nicht: „Warum macht der andere das nicht so, wie ich es möchte?“
Vielleicht ist die Frage eher:
„Was macht das gerade mit mir?“
Und:
„Was brauche ich eigentlich?“
Denn unter all dem liegt, glaube ich, sehr oft ein Thema von Wertschätzung.
Wir alle wollen wertgeschätzt und geliebt werden.
Darum wollen wir vieles richtig machen. Wir legen Wert auf bestimmte Dinge, weil wir vielleicht irgendwann gelernt haben, dass wir dadurch Anerkennung, Liebe oder Wertschätzung bekommen.
Und wenn dann jemand anderes etwas nicht so macht wie wir, kann in uns unbewusst das Gefühl entstehen:
Ich werde nicht gesehen.
Ich werde nicht wertgeschätzt.
Ich bin nicht wichtig.
Vielleicht bin ich nicht richtig, so wie ich bin.
Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum wir Erwartungen an andere haben.
Damit wir das Gefühl bekommen, dass wir richtig sind.
Dass wir geliebt werden.
Dass wir wertvoll sind.
Wenn wir Erwartungen an uns selbst haben und diese auch selbst erfüllen können, bleiben wir in unserer Eigenverantwortung.
Wenn wir aber andere Menschen brauchen, damit wir uns gut fühlen, geben wir einen Teil dieser Verantwortung ab.
Und vielleicht lohnt es sich genau dort einmal hinzuschauen.
Wo habe ich Erwartungen an andere?
Was soll der andere tun, damit es mir besser geht?
Was glaube ich, müsste jemand anderes verändern, damit ich mich wertgeschätzt, gesehen oder geliebt fühle?
Und was davon kann ich vielleicht selbst für mich übernehmen?
Dieses Thema ist für mich gerade sehr speziell und ich könnte noch viel mehr dazu sagen. Aber das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.
Vielleicht möchte ich euch heute auch gar keine fertige Antwort geben.
Vielleicht möchte ich euch einfach einen Gedanken mitgeben.
Schaut einmal ganz ehrlich hin.
Wo habt ihr Erwartungen an andere?
Wo möchtet ihr, dass jemand anders etwas verändert, damit es euch besser geht?
Und wo geht ihr vielleicht dadurch ein kleines Stück aus eurer eigenen Verantwortung für euch selbst?
Es müssen keine großen Veränderungen sein.
Manchmal beginnt es mit einem kleinen Moment des Erkennens.
Mit dem Gedanken:
„Ah, da ist gerade wieder eine Erwartung von mir.“
Und vielleicht ist genau das schon der erste Schritt zurück zu uns selbst.
Denn wir können nicht bestimmen, wie andere Menschen sind.
Aber wir können immer wieder neu entscheiden, wie wir mit unseren eigenen Erwartungen umgehen.
Und auch kleine Schritte werden belohnt.
Herzlichst Monika