In der Gegenwart Sein

24. Sep 2022,

Innehalten und genau den jetzigen Augenblick fühlen und spüren.

Was denkst du gerade, während du anfängst zu lesen? Bist du mit deinen Gedanken ganz bei dir und diesem Text?

Oder gehen deine Gedanken währenddessen schon wieder zum nächsten Schritt? An was du noch zu denken oder zu tun hast?

Oder du denkst gleichzeitig an ein vergangenes Gespräch?

Während du deine Gedanken beobachtest, bist du ganz bei dir, in der Gegenwart, im Hier und Jetzt.
Während du deine Gedanken beobachtest, kannst du gleichzeitig deine Körperreaktion spüren?

Wie fühlt sich dein Körper genau in diesem Moment an? Ist er müde, erschöpft, unruhig, entspannt oder aufgedreht? Wo sind diese Emotionen zu spüren?

Wenn du deinen Fokus auf dich selbst lenkst, und seien es nur ein paar Minuten, dann lenkst du deinen Geist zu dir selbst. Dann kann Geist und Körper entspannen. Diese Minuten, in denen du nichts planst, dich nicht kümmerst, dich nicht sorgst und dich mit irgendetwas anderem beschäftigst.

In diesen Minuten können wir innehalten und uns selbst wahrnehmen. Achtsam Sein. Dann sind wir in der Gegenwart.

Ich behaupte, wenn jeder Mensch sich 2-3 mal am Tag sich ein paar Minuten Zeit für sich selbst nimmt, gäbe es weniger Streit, Neid, Krankheiten und Ärger.  In all den Beschäftigungen des Tages, brauchen wir uns selbst nicht zu spüren. Etwas zu spüren, wird oft schon als Schwäche ausgelegt.

Doch dabei ist fühlen und spüren einer der wichtigsten Grundlagen unseres Seins.

Zu spüren, wie es meinem Innersten geht. Was ich gerade in diesem Moment fühle, wodurch es ausgelöst wurde und wie mein Körper darauf reagiert.

Doch leider wollen viele Menschen heutzutage nichts mehr spüren und fühlen, geschweige denn wissen, was es ausgelöst hat.

Da werden alle Gefühle und Emotionen weggedrückt, aus Angst, sie könnten weh tun oder als Schwäche ausgelegt werden.
So nach dem Motto "was ich nicht sehe und spüre, ist nicht vorhanden".

Unser Körper und unsere Seele vergisst jedoch nichts und speichert alles in uns ab, ob wir das nun wissen oder nicht.

Wenn wir uns auf das fühlen und spüren einlassen können, wird uns bald klar, dass nicht die anderen Schuld sind, weil ich mich so fühle, sondern dass alles in mir selbst entsteht und schon in mir vorhanden ist.

Wir reagieren auf Verhaltensweisen, Bemerkungen oder Blicke des gegenübers mit unseren eigenen Emotionen. Mit Wut, Hilflosigkeit, Ohnmacht oder Verletztheit. Doch diese Person triggert nur alte Verletzungen in uns an und wir reagieren mit genau den Gefühlen, die diese Verletzung damals in uns ausgelöst hat.

Viele Menschen lernen es nicht, über ihre Gefühle und Emotionen zu sprechen, oder auch sie wahrzunehmen.

Wenn unsere Eltern das auch aus ihrer Biografie nicht gelernt haben, konnten sie es uns ja auch nicht vorleben. Auch unser Umfeld hat es grössenteils nicht gelernt. Generationen übergreifend wird alles weitergegeben. Gefühle und Emotionen unter Kontrolle zu halten ist ein Gesellschaftliches Thema.

Das wird ganz oft schon unseren Kindern und Enkelkindern beigebracht und wieder vorgelebt.

Auch sie lernen schon früh, dass Weinen nichts bringt, dass sie sich nicht so anstellen sollen, weinen ist nur für Babys.

Dabei wäre es bei Kindern so wichtig, ihnen ihre Gefühle zu spiegeln. Damit sie lernen, warum sie auf bestimmte Situationen oder Verhaltensweisen
mit z. B. Traurigkeit oder Wut reagieren. Und dass es cool ist, zu weinen, denn dann verarbeiten sie ihre Gefühle.

Wir Menschen fühlen und spüren, weil das für uns essentiell und existenziell ist. Gefühle und Emotionen bereichern unser Leben.

Wenn wir selbst für uns keinen Mut haben zu fühlen, werden wir auch keinen Zugang zu anderen Menschen haben. Da Kommunikation mit fühlen und spüren zu tun hat.

Es macht das eigene Leben wertvoller und befriedigender, wenn wir uns damit auseinander setzen, was wir in diesem Augenblick fühlen und spüren.

Darum frage dich
Was für ein Gefühl ist momentan in dir, genau jetzt, in diesem Augenblick?
Wo kannst du es in deinem Körper spüren?
Was macht dieses Gefühl mit dir?
Welchen Impuls verspürst du bei diesem Gefühl?

Beschreibe deine Gefühle mit "Ich fühle..."

Halte es ein paar Atemzüge lang in deinem Körper, und bemerke, ob es sich verändert, kleiner wird, oder es taucht ein anderes Gefühl auf, oder  wandert es durch den Körper?

Mehr ist in diesem Augenblick nicht nötig.

2-3 mal am Tag innenhalten und deine Gefühle spüren ist Pause machen vom Alltag. Und dabei lernst du dich auch noch besser kennen :) und bist mit deiner Aufmerksamkeit in der Gegenwart.


Ich wünsche dir viel Spaß, beim Ent-Spannen vom planen, denken und grübeln, und beim erkunden und entdecken von dir selbst.

Und noch ein Tipp - wer fühlt, denkt nicht.



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